Kleine Leute

Wir sind Menschen. Eine Beschreibung dieser Spezies ist nicht so leicht wie die Benennung. Menschen. In uns Menschen leben scheinbar tausend kleine Lebewesen. Kleine Leute und manche wollen verr√ľckt spielen, andere lachen oder weinen. Den Ernst geben oder sch√∂pferisch sein. Vielleicht einfach nur tanzen. Wir kennen sie nicht alle aber wir d√ľrfen keine Angst haben sie √ľberall mit hinzunehmen. Es sind alles Anteile von uns, in uns. Zumal man nie wissen kann, ob nicht einer von ihnen zum richtigen Zeitpunkt auftaucht, um uns vor uns selbst oder einem anderen Menschen zu retten. Die viel zitierte Vielfalt des Lebens ist nun einmal wichtig. Aber am wichtigsten ist die Vielfalt in uns selbst. Unsere ganz pers√∂nliche Vielfalt. Sie macht uns lebendig, kreativ, mutig und am Schluss, der immer der Anfang ist, zu Sch√∂pfern. Wir sind nicht am Leben und im Leben um starr und stur einen Weg zu gehen, der zumeist nicht einmal der Unsere.

Wir sind au√üergew√∂hnliche Gesch√∂pfe. Ausgestattet mit Fantasie, Liebe, Vertrauen, Spa√ü, Verr√ľcktheit, Intelligenz, Angst, Mut und da k√∂nnte ich noch viele hundert andere kleine Leute aufz√§hlen. Sie alle sind in uns, um von uns geliebt zu werden. Um Beachtung zu erhalten. Jeder einzelne kleine Bewohner in uns. Denn jeder dieser ist ein wundervoller Teil, eine unglaubliche Facette unserer Pers√∂nlichkeit. Verstecken wir einen von ihnen, verstecken wir uns selbst. Lieben wir auch nur einen von ihnen, lieben wir uns selbst. Wir sind alle so verschieden und doch leben die gleichen kleine Leute in uns. Lassen wir sie raus an die frische Luft, dann k√∂nnen alle aufatmen. In uns und in den anderen Menschen. Wenn du deine Maske, die durch dein Leben tr√§gst, abnimmst dann kann dein Gesicht leben. Dann zeigst du Lebendigkeit wohin du auch kommst. Lebendigkeit ist Fr√∂hlichkeit. Lebendigkeit ist ansteckend und liebenswert. Und wollen wir nicht alle geliebt werden?

Warum ist es uns so wichtig erwachsen und immer korrekt daherzukommen? Wann liebt dich deine Frau am meisten? Wann liebt dich dein Mann am meisten? Wenn die kleinen Leute unterwegs sind oder wenn man deine Maske sieht? Warum muss das Leben ernst sein? Warum lachen wir so wenig? Ver√§ndert sich die Welt zum besseren wenn wir nur ernst genug schauen? Was siehst du lieber deinen Partner lachen oder weinen? Deine Partnerin tanzend oder auf der Couch sitzend? Wir wissen doch alle was wir viel lieber h√§tten, warum leben wir es dann nicht? Weil die Welt viel zu ernst ist? Zu problematisch? Liegt das nicht auch daran das wir viel zu ernst und zu problematisch sind? M√ľssen wir Kinder haben, um Spa√ü wie die Kinder zu haben? Und wenn wir Kinder haben, sollten wir dann nicht Spa√ü wie die Kinder mit unseren Kindern haben? K√∂nnen wir ihnen nicht eine bessere Welt geben, als die Welt, die wir als Kinder selbst erlebt haben? Unser Augenmerk weg von Noten und Ordnung. Hin zum spielen und fr√∂hlich sein. Sie werden lernen, was sie lernen m√ľssen, aber ist es n√∂tig, dass wir die W√§chter √ľber diese Torheiten spielen?

Unser ganzes Weltbild ist so ernst. So leer von kleinen Leuten. So leer ohne uns selbst. Wir haben alles in uns. Jedes M√§nnchen lebt in uns. Aber interessiert uns das? Ist es nicht wichtiger ernst und erwachsen zu sein? Vorbild f√ľr die Kinder, die ja nicht anders werden d√ľrfen als wir selbst. Das ist Gesetz. Ein Gesetz geschrieben von Maskentr√§gern. Von schwarzen Seelen deren Verderbtheit die Welt in eine Finsternis ziehen m√∂chte. Das d√ľrfen wir nicht zulassen. Aber dazu m√ľssen wir die kleinen Leuten in uns leben lassen. Ihnen die Freiheit schenken. Damit sie im richtigen Moment, am richtigen Platz uns retten k√∂nnen.

Bild von Maike und Bj√∂rn Br√∂skamp auf Pixabay 

2 thoughts on “Kleine Leute

  1. Das Bild mit den “kleinen Leuten” gef√§llt mir. Sofort hatte ich so ein Bild, wie sie alle in mir drin herumwirbeln und zappeln und trampeln und hin und her spazieren. Ich kannte das mit dem Begriff “Anteile”…

    Verallgemeinerungen sind vermutlich das Stilmittel, was wir verwenden, wenn wir etwas deutlich und zum Ausdruck bringen wollen. Doch als ich Deine Zeilen las, fielen mir sofort jede Menge Menschen ein, die nicht so ernst und “erwachsen” durchs Leben schreiten. Menschen, die erwachsen sind und trotzdem verr√ľckt, ausgelassen, fr√∂hlich und das Leben auch genie√üen. Menschen, die nicht alles glauben, was man ihnen vorsetzt und die auch unbekannte Wege beschreiten.

    Ich glaube die Balance, die bringt’s. Und das Bewusst-machen, was du ja hier mit dem Beitrag auch tust. Wie schnell verlieren wir uns, um dann eines Tages festzustellen, dass wir mehr funktionierten, als wirklich zu leben.
    Darum geht’s wohl auch. Mal aus der Masse heraustreten und auf die Masse zu schauen, in der wir eben gerade noch wie selbstverst√§ndlich mit schwammen. Ich sehe gerade so eine Spielzeugfabrik, in der Holzfiguren hergestellt werden und die auf einem Flie√üband hintereinander – in Reih und Glied – dahin rollen.

    Irgendwo in meinem Archiv m√ľsste ich noch die Geschichte mit dem Berg haben. Der Berg, auf dem alle entlang hangeln. Sie immer brav festhalten. Bloss nicht loslassen und mal die Richtung wechseln. Bei Unsicherheiten oder Fragen standen Schubladen im Berg zur Verf√ľgung. Dort fand man dann Antworten, wie man zu denken, zu f√ľhlen, zu sprechen und zu handeln hatte… War man “brav” und fiel nicht aus der Reihe, wurde man akzeptiert. Alle anderen sind nat√ľrlich St√∂renfriede. So zu leben ist allerdings trotzdem super anstrengend, denn man muss sich ja st√§ndig – gegen seine eigene Natur – anpassen und verhalten. Vermutlich macht es sogar krank. Denn wieso haben die psychischen Krankheiten in den letzten Jahren so rapide zugenommen?
    Dann kam einer entgegen. Der hielt sich nicht krampfhaft an den Vorgaben fest und erf√ľllte alle Vorschriften. Der h√ľpfte, sprang, tanzte, lachte und sang. Mit seiner Art forderte er die anderen heraus und auf, es ihm nachzutun.
    Doch die meisten schimpften √ľber ihn. Wie kann er nur! Er macht doch alles kaputt! Regeln haben doch ihren Sinn! “Die” wissen doch, was sie tun!… Zum Gl√ľck gibt es jedoch immer wieder Menschen, die aufwachen, wenn sie so einen Ver-R√ľckten sehen – zumindest halten sie mal inne und denken einen Augenblick lang nach oder lauschen sogar in sich hinein.

    Ich schreibe von Balance, weil es heutzutage schwer ist, komplett aus der Masse herauszutreten und nur noch seine “kleinen Leute” leben zu lassen. Nat√ľrlich kann man das machen, doch es zieht jede Menge Schwierigkeiten – mit der Masse und jene, die diese Masse wollen – nach sich. Deshalb lebe ich irgendwo dazwischen. Ich suche mir die L√ľcken, Orte und Menschen, bei denen ich meine “kleinen Leute” vor die T√ľr schicken kann, damit sie sich so richtig austoben k√∂nnen…

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