Keine Gewissheit

Unser Gehirn ist ein Wunderwerk an Perfektion, wenn alles um den Menschen herum so ist, wie es das Gehirn braucht. Ist dem nicht so, wird aus Perfektion eine Katastrophe. Das Gehirn braucht Information, Liebe, N√§he, W√§rme, Ansprache, Sprache, Erlebnisse der positiven Art, Herausforderungen, Nahrung, Fl√ľssigkeit, Augen, Ohren und Sinne aller Art. Ist auch nur eine Sache nicht gegeben, bekommen wir kleinere oder gigantische Schwierigkeiten. Verheerend wirkt es sich aus wenn wir ohne Liebe aufwachsen. Ohne k√∂rperliche N√§he und W√§rme. Das ergibt einen Totalschaden im Gehirn. Stellt sich die Frage warum brauchen wir Liebe? Das muss in unserer Genetik stecken, da es sonst keine Auswirkungen auf uns h√§tte, wenn wir ohne sie gro√ü werden. Warum aber ist etwas wie Liebe in unseren Genen? Um ein Ich zu haben, bedarf es Informationen im Au√üen, ein Umfeld in dem wir leben, Sprache, unsere Sinne und eine Vergangenheit. Der Rest macht unser Gehirn. Allein durch seine Arbeit entsteht das Ich in uns. Sehr wichtig dabei ist unsere Vergangenheit. Sie ist die Lebensgeschichte des Ich und ihr Identifikationsmerkmal. In ihr erkennen wir uns wieder. Die ganzen Neuronen und ihre Verbindungen, all unser Wissen und die Vergangenheit ergeben unser Ich. Fast. Bis heute weis niemand, welche Zutat in diesem ganzen Zusammenspiel fehlt, das aus dem Ganzen unser Ich hat, werden lassen. Wenn ich aus den vorhandenen Bestandteilen eines herausgreifen sollte, von dem ich der Meinung bin, das sie die Zutat ist der wir unser Ich verdanken, dann w√ľrde ich die Sprache w√§hlen. Ich k√∂nnte mir vorstellen, das sich durch die st√§ndige Verbesserung unserer Kommunikation, durch Sprache, ein Ich entwickelt hat. Ich denke ja mit Worten, ich dr√ľcke mich aus in Sprache. Ich benenne Dinge und die Welt durch Sprache. Ich lerne die Welt erst verstehen, wenn eine Art der Sprachkommunikation stattfindet. Um ein Ich gezielt anwenden zu k√∂nnen bedarf es der Sprache. Da Ich sein auch denken hei√üt. Ohne Denken in Sprache kein Ich. Ab einem gewissen Kindesalter (6 bis 24 Monate) erkennen wir uns pl√∂tzlich selbst in einem Spiegel. Zwischen dem 6 Monat und dem 24 Monat erlernen die Kinder die Muttersprache so weit, dass sie in Ein Wort S√§tzen kommunizieren k√∂nnen. Das hat aber noch nichts mit Selbsterkenntnis zu tun. Die kommt erst im Alter von 3 bis 4 Jahren. Aber sie haben eine Sprache und genau wenn Sprache sich bildet, k√∂nnen Kinder sich erkennen. W√ľsste mal gerne wie das aussieht? K√∂nnen Kinder, die schneller eine Sprache entwickeln, sich auch fr√ľher erkennen, als Kinder deren Sprach Fortschritte langsamer vorangehen? Im Alter von 3 bis 4 Jahren beginnt es, das wir uns mit uns selbst besch√§ftigen, als eigenst√§ndige Person. Nat√ľrlich sind in diesem Alter noch keine gro√üen Erkenntnisse √ľber die eigene Person da. Dazu brauchen wir Lebenserfahrungen und eine Vergangenheit. In ihr erkennen wir uns am besten. Kann ich ohne Sprache √ľberhaupt ein Ich besitzen? Schwer vorzustellen. Wie denke ich ohne Worte? Und Ich muss denken, wenn ich ein Ich sein will. Denkt irgendwer ohne Worte? Tiere haben keine Worte, sie haben Laute, wohl der Vorg√§nger von Sprache. Je h√∂her die Tiere allerdings entwickelt sind, um so ausgepr√§gter ihre Kommunikationsf√§higkeit. Menschenaffen, Delphine, Schweine (und die behandeln wir als Nahrung), Elstern, Asiatische Elefanten erkennen sich selbst im Spiegel. Das k√∂nnte somit eine Vorstufe zu einem Ich sein.

Aber es ist noch kein Ich. Wenn nun eine Sprache hinzu k√§me, was w√ľrde dann passieren? Die Sprache allein reicht nicht. Ich muss auch Bedeutungen f√ľr Begriffe entwickeln. Diese immer wieder nutzen. So entsteht ein Abbild der Welt um uns herum in uns. Auf dieses kann das Gehirn zur√ľck greifen und es erweitern. Irgendwann wird es sich aber gefragt haben, der Baum ist der Baum, das Feuer ist das Feuer aber wer ist das Gegen√ľber? Ich denke mit dieser Frage wird das Ich seinen Anfang genommen haben. Aber zur√ľck zu der Frage warum brauchen wir Liebe oder warum ist das in unserer Genetik so gewollt. Klar weil wir Beziehungen herstellen m√ľssen, um die Art zu erhalten. Daher w√ľrde ich mit dem Wort Liebe vorsichtig umgehen. Brauchen wir Liebe oder N√§he und Zuneigung? Muss ich, als Kind geliebt werden, um gro√ü zu werden oder reicht es aus, wenn mich eine Heimmutter f√ľttert, streichelt und sich mit mir unterh√§lt? Wir brauchen andere Menschen, weil wir sonst nichts lernen k√∂nnten. Damit w√§re das Gehirn v√∂llig nutzlos. Damit wir uns aber mit anderen besch√§ftigen muss ein Anreiz in uns da sein. Das dieser positiv sein muss ist auch ganz logisch. Der menschliche logische Anreiz ist Liebe, W√§rme und N√§he. Danach suchen wir. Wir brauchen den Erwachsenen, der uns f√ľttert, w√§ssert und uns umsorgt. Darum sehen Babys niedlich aus und geben niedliche Ger√§usche von sich. Damit wir ihnen Liebe entgegenbringen. Oder zumindest Zuneigung. Die Babys selbst m√ľssen f√§hig sein Liebe zu empfinden und zu geben. So sind zweierlei Lieben in unserer Genetik verankert. Die Gebende und die Annehmende. Sozusagen die Suchende und die Gefundene. Eine Wechselwirkung. K√∂nnte sich auch auf unser Liebes verhalten als Erwachsene auswirken. Die Liebe verschwindet ja nicht aus unseren Genen. Ver√§ndert sie sich? Bleibt sie wie sie war? Als Erwachsene brauchen wir die Liebe? Wir k√∂nnen jetzt f√ľr uns selbst sorgen. Was passiert aber mit unserer Liebe? Sind wir deshalb als Erwachsene so s√ľchtig nach ihr? F√ľhlen wir uns deshalb verloren, wenn wir lange alleine sind. Es scheint so, da unser Gehirn nicht in der Lage ist, die eigene Genetik zu ver√§ndern. Also wenn Liebe in unseren Genen einprogrammiert sein muss, was k√∂nnte dann noch so alles in unseren Genen schlummern? Der Wille zum √ľberleben und damit auch Gewalt und Hinterh√§ltigkeit? Mut, Feigheit? Was lernen wir und was ist schon in unserem Erbgut? Welche Emotionen erlernen wir und welche Gef√ľhle sind in den Genen? Die Intensit√§t der Gef√ľhle ist die vorprogrammiert oder sind unsere Lebensumst√§nde f√ľr den Grad der Intensit√§t zust√§ndig? Wenn man so recht bedenkt, dann wissen wir √ľber unsere Funktionsweise sehr wenig und noch viel weniger √ľber die Abl√§ufe, die unsere Gene und das Gehirn bestimmen. Auch stellt sich die Frage, k√∂nnen wir uns √ľberhaupt selbst lieben? Wenn wir von Baby an die Liebe im Au√üen suchen, hei√üt das dann nicht, dass wir sie selbst f√ľr uns nicht entwickeln k√∂nnen? Falls wir es doch k√∂nnten, wie m√ľssten wir dann aufwachsen, damit wir die Liebe zu uns selbst entstehen lassen k√∂nnen? Eltern ohne Zeit, Kindergarten und Schule? Kann, dass der Weg zur Selbstliebe sein?

Bild von Free-Photos auf Pixabay 

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