Heute möchte ich mich wieder mit unserem Gehirn beschäftigen. Daher denke ich, man sollte ein paar Sachen dazu ansprechen. Ich lese hier manchmal von einem bedingungslosen Vertrauen, dass enttäuscht wurde. Auch wenn es jetzt gleich schmerzt, es gibt kein bedingungsloses Vertrauen unter Menschen. Das können Hunde aber Menschen nicht. Könnten wir es, würden wir uns nicht des Vertrauens entzogen fühlen. Auch wäre es fahrlässig, einer Person, die wir nie wirklich kennen werden, unser blindes Vertrauen zu schenken. Selbst wenn ich 50 Jahre mit jemanden zusammen bin, kann die Person immer noch Dinge tun, die mich verletzen oder enttäuschen. So kommen Phrasen wie das hätte ich nie von ihm/ihr gedacht. Hätten wir ihm blind vertraut, hätten wir gewusst, dass er dazu fähig ist. Ein Hund weiß wie sein Herrchen tickt, aber er vertraut ihm trotzdem. Er nimmt es im Vertrauen in Kauf enttäuscht zu werden. Der Hund weiß, dass er der Abhängige in dieser Beziehung ist.

Das machen wir Menschen nicht. Weil es schlichtweg dumm wäre. Bei aller Verliebtheit, bei aller Liebe steht uns doch ein Fremder gegenüber. Meist erfahren wir nicht einmal viel über ihn. Er erzählt nur das, was er von sich Preis geben will. Richtig schlimm wird es wenn wir verliebt sind und dieses Verliebtsein zerbricht. Liebeskummer kennt wohl jeder. Welten gehen unter und Träume versiegen im Nichts. Unser Körper leidet unter unserer sich auflösender Psyche. Weil wir darauf vertraut haben, das unser Verliebtsein immer erwidert wird. Was ein Irrtum und kein Vertrauensbruch wäre. Aber es wird anders bewertet von uns Menschen. Es braucht Zeit, Tränen, Gespräche, Einsamkeit und Hoffnung um sie zu überwinden. Das Ganze ist letztendlich aber nur ein biologischer Vorgang. Wenn ich mich willentlich davon abwenden würde, dann verging der Liebeskummer wie im Flug. Unsere Hormone werden dort gebraucht, wo unsere Gedanken verweilen. Aber wer bringt diesen Willen auf? Menschen neigen dazu Leiden zu wollen. Sie glauben, wenn sie etwas nicht richtig verarbeitet haben, dann wird es ihnen ewig nachhängen. Aber so arbeitet unser Gehirn nicht.

Es hat das Modell, wo meine Gedanken verharren, da bleibe ich auch. Um so mehr wir uns mit unseren Verletzungen beschäftigen, um so wichtiger nimmt unser Gehirn diese Sache. Schlicht weil es glaubt, dass wir das wollen. Also beteiligt sich nun unser Gehirn am Leiden und das mal richtig. Weil es unserer Reaktion entnimmt, dass wir das brauchen. Ja, unser Gehirn hat nicht die Fähigkeit, selbsttätig zu analysieren Es reagiert auf unser Gefühle und auf unsere Gedanken. Es vergleicht Gefühle, da es selbst die Situation nicht zu erkennen vermag. Es fotografiert sozusagen die Situation ab und sucht dann nach Inhalten im Unterbewusstsein. Trifft es dort ähnliche oder gleiche Bilder holt sie den erforderlichen Filter heraus und wendet ihn an. Kennt es die Situation noch nicht, dann werden “neue Filter” angelegt. Wie macht das Gehirn so etwas? Es beobachtet unser Denken und unsere Handlungen. Es scannt uns so lange, bis es einen neuen Filter geschaffen oder ein alter angepasst. Der Filter wird passend sein wenn die Situation, die den Filter erfordert, so weit im Griff ist, dass unsere Konzentration nicht mehr auf dieser Situation liegt. Nicht zu vergessen, das geschieht alles während wir Baby, Kind, Schüler, Pubertierende und Auszubildende sind. Wenn wir endlich in unsere eigene Wohnung ziehen, sind die Filter längst geschaffen und zu Wächter über unser ganzes Leben geworden.

Klingt schräg ist aber tatsächlich so. Wir denken nicht unser Gehirn. Das folgt nur dem, was wir denken und stellt Hormone und Informationen aus dem Unterbewusstsein zur Verfügung. Nüchtern betrachtet heißt das, wenn wir leiden wollen, werden wir das auch tun. Wenn wir uns davon abwenden, werden wir es nicht tun. Ich denke das diese Worte auf wenig Verständnis oder Glauben stoßen werden. Weil wir anders erzogen wurden. Die Psychologie sieht das alles aus einer ganz pragmatischen Sicht. Durchlebe deine Gefühle und dir wird es wieder gut gehen. Stimmt soweit aber das nur weil wir völlig falsch erzogen werden. Unser Gehirn kennt keine Gefühle. Es stellt nur die Mittel dafür zur Verfügung. Würden wir sie nicht abrufen, würde das Gehirn sie auch nicht zur Verfügung stellen. Wir alleine, so weit gesund, bestimmen wie wir uns fühlen. OK, schön wäre es. Das müsste korrekt heißen, wir allein würden bestimmen wie wir uns fühlen, wenn wir nicht Kinder gewesen wären und Eltern gehabt hätten, die auch Kinder waren.

Da dem nicht so ist, müssten wir lernen neu zu denken. In der Erziehung, im Kindergarten, in der Schule und im Berufsleben schaut absolut keiner darauf wie unser Gehirn funktioniert. Außer einer gewissen Vera. F. Birkenbihl. Diese Frau hat erkannt, dass wir nicht Gehirn gerecht lernen. Hauptsächlich hat sie es aber nur vom Lernen als solches gehabt. Nicht von Filtern die wir anlegen. Unser Gehirn ist kein eigenständiger Denker. Es hat Vorgaben, unter denen es arbeitet. Wenn man die nicht kennt, dann hat das fatale Folgen. Wenn wir nichts denken würden, dann würde unser Gehirn nur Informationen sammeln, abspeichern und auf Abruf bereitstellen. Unser Gehirn ist da wie ein Computer. Erst wenn der Mensch die Tastatur betätigt, sprich anfängt zu denken, geschieht etwas.

Es bedarf unseres Bewusstseins, damit das Unterbewusstsein eine Aufgabe bekommt. Auch Träume sind nichts weiter als Information – und Gefühlsverarbeitung. Und doch wird unser Denken stark durch das Unterbewusstsein beeinflusst. Besser gesagt durch das Erlernte und durch die gesammelten Informationen. Selbstverständlich auch durch die Art und Weise wie unser Gehirn funktioniert. Denn unsere Gehirne funktionieren nicht alle gleich. Das funktioniert ungefähr so. Von Außen bekommen wir eine Information. Sofort wird diese in unser ältesten und primitivsten Teil des Gehirns geleitet. Der Hirnstamm auch Reptiliengehirn genannt. Es besitzt zwei Filter. Diese Filter sehen nur nach. Wichtige Information, sprich erfordert diese Information eine sofortige Handlung oder nicht? Ist die Information gut oder schlecht für uns? Ist sie gut dann freuen wir uns oder telefonieren usw. Ist die Information schlecht, dann werden Filter aktiviert, die wir in unserer Kindheit angelegt haben.

Je nachdem wie diese Filter aussehen, wird das Gehirn reagieren. Diese Filter liegen alle ausschließlich in unserem Unterbewusstsein. Sie haben allesamt den Zweck uns zu schützen. Und nur diesen Zweck. Aber wie das mit Filtern so ist. Sie kommen alle in die Jahre. Auch hier ist unser Gehirn leider nur wie ein Computer. Es ist nicht fähig diese Filter von alleine zu korrigieren. Das müssten wir machen. Was wir aber nicht wissen und was uns auch keiner sagt. Wir bemerken zwar die Auswirkungen der falsch eingestellten Filter, wissen aber weder warum wir uns gerade fühlen, wie wir uns eben fühlen, noch wissen wir wie wir diesen Zustand verändern könnten. Also sitzen wir es jedes-mal aus. Ob das nun die Eifersucht, das Trinken, zu viel essen, Drogen, Liebeskummer oder was auch immer ist. Wie ziehen völlig falsche Schlüsse aus unserem Ergehen und deren Ursachen.Wir sind weder zum Leiden geboren, noch verdammt. OK, unsere Generation schon und die nächsten paar auch noch. Aber ich denke irgendwann wird man erkennen, das wir von Grund auf anders aufwachsen müssen, wenn wir psychisch gesunde Menschen sein wollen.

Bild von congerdesign auf Pixabay 

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