Nach der Einsamkeit ist vor der Erkenntnis.

Jeden morgen werde ich wach und bin alleine. Es macht mir nichts mehr aus. Habe mich daran gew├Âhnt. Und doch ist an so manch einem Tag eine Schwere in mir. Sie lastet nicht auf meinen Schultern. Sie sitzt in meinem Herzen. Dort sitzt sie, seit du gegangen bist. Mein Kopf lebt schon lange wieder in der Gegenwart, nur mein Herz verweilt noch dort, wo einst die Liebe wahr. Es sehnt sich nach ihr aber ich verweigere mich. Bringe nicht den Mut auf mich zu ├Âffnen. Habe Angst vor diesem Schmerz. Auch wenn ich wei├č, dass dieser Schmerz meine Einsamkeit verursacht. Stelle ich diese beiden gegeneinander, den Scherz der Liebe und den Schmerz der Einsamkeit, dann lebe ich lieber die Einsamkeit. Wohl wissend was ich mir selbst vorenthalte. Gedanken die, der Liebe nahe kommen verdr├Ąnge ich sofort, denn auch Sehnsucht kann einen verzehren. Also sperre ich jeden Gedanken in diese Richtung in mein geplagtes Herz ein. Dort sind sie gut aufgehoben die St├Ârenfriede meines Seelenlebens.

Mich kann kein Frauen Gesicht mehr bet├Âren. Hinter Sch├Ânheit und Anmut liegt nur das Verderben. Hinter jedem L├Ącheln nur die Gewissheit das alles verg├Ąnglich. Wie eben dieses L├Ącheln. Die Liebe ist eine Theaterauff├╝hrung. Bei der Premiere sind noch alle begeistert, aber nach der einhundertsten Auff├╝hrung liegt Langeweile in jedem Blick. Schlie├člich und Endlich endet jede Auff├╝hrung und man ist bestrebt eine Neue zu finden. Ich habe aber genug Auff├╝hrungen und vor allem Enden derer erlebt. Nicht in der Anzahl aber in deren Tiefe. Sehe ich ein L├Ącheln, sehe ich das Ende. Nicht einen Anfang. Jedes Versprechen das abgegeben, war am Schluss nur ein leeres Bekenntnis des Augenblickes. Hohl wie die Phrase sch├Ânes Wetter heute. Wie geht es dir? Oberfl├Ąchlich und mit einem Ernst der nur dem Moment geschuldet. Liebe hat keinen Wert in den Worten. Jeder der sagt ich liebe dich, sagt im Prinzip ich liebe dich jetzt in diesem Moment. Was morgen wird sein, das sehen wir dann. Welche Versprechen habe ich schon geh├Ârt. Sie klangen so s├╝├č und verlockend. So ehrlich und aufrichtig. Aber nur in diesem Moment. Kann man wohl nicht mehr erwarten. Nur frage ich mich dann, warum bin ich nie gegangen? Warum war mein ich liebe dich, nicht nur f├╝r den Moment, f├╝r diesen einen Augenblick?

Ich bin ganz anders. Das ist nicht fair wenn du mich vergleichst. Ich werde das niemals machen, das verspreche ich dir. Diese Worte klingen noch in meinen Ohren. Auch in meine Gedanken. Glaube ihr nicht dachte ich. Aber ich habe nicht auf meine Gedanken geh├Ârt. Ich habe auf mein Herz geh├Ârt und das lag wieder voll daneben. So leidet es jetzt und das hat es auch verdient. Eins zu eins hat sie getan was sie doch niemals machen w├╝rde. Eins zu eins, nicht etwa anders. Liebe ist etwas f├╝r Menschen die gerne leiden. Ich mag das Leiden nicht mehr. Liebe ist f├╝r Menschen die gerne spielen. F├╝r Menschen die sich selbst nicht so viel wert sind. Zyniker werde ich oft genannt. Aber ist die Realit├Ąt zynisch? Wenn ja dann bin ich ein Zyniker. Sicher werde ich nicht der einzige Mensch sein, der f├╝r immer geblieben w├Ąre. Nur diejenigen die geblieben w├Ąren, h├Âren irgendwann auf zu bleiben. Daher trifft man sie nicht, weil sie sich nicht mehr treffen lassen wollen. Nicht das sie nicht mehr an die Liebe glauben w├╝rden, sie glauben nicht mehr an die Versprechen, die in ihrem Namen ausgesprochen werden. Sie erliegen nicht mehr der Oberfl├Ąchlichen Verlockung eines bezaubernden L├Ąchelns. Den s├╝├čen Worten des Moment. Den Versprechen mit Haltbarkeitsdatum.

F├╝r manche Menschen ist Liebe nicht ein Wechselspiel, das man beliebig oft auff├╝hren kann. Die Verletzungen als Hobby sehen. Menschen, die einfach gehen und sich dabei nicht einmal mehr umdrehen. Die von einer Minuten zur anderen zu Fremden werden. Die von jetzt auf nachher nichts mehr mit einem zu schaffen haben. Die Heute gehen und Morgen mit ihrem neuen Gl├╝ck Hand in Hand durch das Leben gehen. Dieselben Dinge tun mit der neuen Liebe, die sie einst mit dir getan. Licht aus, der Vorhang ist gefallen. Licht an die neue Auff├╝hrung kann beginnen. Distanz und sich fremd geben ist das neue Miteinander. Als sehe man sich zum ersten Mal und w├Ąre sich nicht sympathisch. Jeder Blick sagt du weist nichts von mir und Gestern erst hast du mir all deine Geheimnisse erz├Ąhlt. Im Vertrauen und in der Hoffnung auf Verst├Ąndnis. Nichts davon ist mehr in ihrem Blick. Nichts das auch nur ein wenig vertraut w├Ąre. So ist die Welt sagen die Freunde, denen dein Leiden langsam auf den Wecker geht. Das Leben geht weiter, da kannst du nichts machen. Aber nur weil, dass die Realit├Ąt ist, muss ich mich daran anpassen? Muss ich aufh├Âren zu f├╝hlen was ich f├╝hle? Ich habe keinen Schalter in mir, der alles ausknipsen kann. Woher haben den andere Menschen?

Funktioniere und halte deinen Mund. Dein Leiden vermittelt den anderen ein schlechtes Gewissen. Warum empfinde ich nicht wie der? Also halte den Mund und st├Âre unser Gewissen nicht mit deinem Leid. Frage niemals, auch nach Jahren nicht, ob der Mensch seine Entscheidung irgendwann einmal ein wenig bereut h├Ątte. Im Ton der Inbrunst und ├ťberzeugung kommt schnell das Nein. Ein Nein das dir das Gef├╝hl gibt immer der Falsche gewesen zu sein. Aber wenn man immer der Falsche war, warum hat man dann jahrelang die Liebe bekundet bekommen? Warum war man dann Jahrelang der Einzige und der Einzige der f├╝r immer bleiben sollte? Weil Worte nur Schall und Rauch. Weil Worte nicht den Moment ├╝berleben, an dem sie ausgesprochen wurden. Liebe findet im Herzen statt und wenn du die Sprache des Herzen, des Gegen├╝ber nicht zu h├Âren vermagst, dann sprich auch keine Worte. Halte einfach deinen Mund oder sprich die Wahrheit. Aber Beides sowohl die Liebe, wie deren Wahrheit sind nicht leicht zu erkennen. Daher ist es einfacher zu sagen ich liebe dich. Das ist der Moment des Gl├╝ckes und doch der Moment des Endes vom bezaubernden Anfang.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 

  1. Deine Zeilen klingen ziemlich traurig. Vielleicht auch ein bisschen verbittert? Andere Menschen haben ├╝brigens auch keinen Schalter, an dem sie ihre Gef├╝hle einfach ausknipsen k├Ânnen. Andere Menschen leiden auch, jahrelang, wenn eine Liebe zu Ende geht.

    Ich will Deine Meinung gar nicht ver├Ąndern oder in Frage stellen oder Dir weismachen, dass es anders richtig ist. Meinungen sind subjektiv. Meinungen sind Meinungen. Und was in diesem Fall stimmt oder nicht stimmt. Was falsch oder richtig ist, das wei├č ich ehrlich gesagt nicht.

    Vielleicht hast Du auch recht damit, wenn Du schreibst, der Satz “ich liebe dich” k├Ânnte verg├Ąnglich sein. Sp├Ątestens mit dem Tod h├Ârt er auf ausgesprochen zu werden. Und ja, auch wenn jemand erkennt, er hat sich wom├Âglich geirrt oder die Liebe ist vorbei oder war es vielleicht gar keine Liebe, in dem Moment wo dieser Satz ausgesprochen wurde, trotz der Versprechungen und Verhei├čungen…?

    Ich bin da ja ein unverbesserlicher Optimist und auch Idealist. Ich glaube an die ewige Liebe und an “den Einen” oder “die Eine”.

    Blicke Dich um! Entdecke und spreche mit den Menschen, die schon Jahrzehnte zusammen und auch verheiratet sind – und dabei gl├╝cklich und zufrieden.

    Ich pers├Ânlich w├╝rde mich immer wieder f├╝r die Liebe entscheiden. Doch das ist halt meine Meinung.

    Ganz liebe Gr├╝├če f├╝r Dich, Kaya

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