Es gibt einen Film, beruhend auf einem Buch, Namens „Gespräche mit …“. Der ein oder andere wird ihn kennen. Mir geht es jetzt nicht darum wie viel Wahrheit in den Büchern liegt, es geht mir um eine Szene in diesem Film. Der Hauptakteur ist durch widrige Umstände arbeitslos geworden. Durch eine Verletzung die zu dieser Arbeitslosigkeit führte, ein Halswirbel war angebrochen. Somit bekam er keine Arbeitsstelle mehr, da den Arbeitgebern das Risiko zu hoch war. So wurde er zum Obdachlosen, der sich später aus dieser Obdachlosigkeit wieder heraus kämpft. Aber kommen wir zu der Stelle warum ich, das hier überhaupt schreibe.

Besagte Person lernt im Müll nach essbaren zu suchen und im Müll Pfandflaschen, Gläser und Dosen zu finden, um damit nicht zu verhungern. Bevor er aber nach Tagelangen nichts essen verhungert, findet er auf der Suche nach leeren Dosen, ein verpacktes Sandwich in einem Müllcontainer. Er steigt aus dem Container, packt das Sandwich aus seiner Verpackung und betrachtet es von allen Seiten. Dann beißt er hinein. Seine Empfindungen sind ihm dabei deutlich anzusehen. Nach dem ersten Biss bemerkt er das er beobachtet wird. Ein Junge beobachtet ihn mit ausdrucksloser Miene. Dann kommt die Mutter dazu. Auch sie betrachtet ihn und man erkennt ihr Mitleid aber auch ihre Abneigung und Verachtung. Sie setzt sich samt Sohn in ihren großen Mittelklassewagen und fährt davon.

Dann ist der Penner wiederzusehen. Er hat sich von den Beiden weg gedreht, um wieder allein zu sein und er isst weiter. Fassungslos des Geschmackes wegen und fassungslos darüber was er da gerade tut. Der letzte Gedanke treibt ihm die Tränen in die Augen und schnell verdrängt er diese Gedanken wieder, da er sonst nicht weiter essen könnte. Als Zuschauer fragt, man sich gleich mehrere Dinge aber darauf möchte ich jetzt auch nicht eingehen. Aber eine Frage war plötzlich in meinem Kopf. Wie viele solche Menschen gibt es überhaupt auf diesem Planeten? Weiß das einer von euch so aus dem Stegreif? Ich denke nicht. Also habe ich mal für uns alle nachgesehen. Es sind 100.000.000 Menschen die kein Obdach ständig oder zeitweise über dem Kopf haben.

100.000.000 Menschen. Männer, Frauen und Kinder. 100.000.000 Menschen die auf der Straße leben und vom Müll oder im Müll leben. Je nach dem in welchen Land man Obdachlos ist. Interessiert uns das als Menschheit. Garantiert nicht. Würde es uns interessieren gäbe es keine Obdachlosen mehr. Klingt so harmlos dieses Wort Obdachlos. Fast schon Mildtätig. Ist es aber nicht. Es spricht von Leid, Gewalt und Tod. Wo gibt es die meisten Obdachlose? Europa, Asien, USA? Klar die USA. Wäre unser erster Gedanke. Ist aber falsch. 2016 waren in den USA 3.500.000 Menschen ohne Obdach. In Europa 4.000.000 Menschen. Aber bei diesen Zahlen muss man vorsichtig sein. Man unterteilt ja gerne alles, um es in verschiedene Kategorien stecken zu können. Damit die Zahlen nicht zu groß werden. So sind weltweit 1.100.000.000 Menschen ohne geeigneten Wohnraum. Kann man sich jetzt alles darunter vorstellen. Müllcontainer wird wohl genau wie unter der Brücke als nicht geeigneter Wohnraum gesehen? Oder sind da nur die Wohnverhältnisse mit gemeint. Also drei Familien in einer Zweizimmer Wohnung oder die Buden sind von Kakerlaken und Schimmel übersät.

2015 wurden 27.800.000 Menschen durch Kriege, Gewalt oder Naturkatastrophen aus ihren Ländern vertrieben. In den vergangenen acht Jahren waren es 203.400.000 Vertriebene. Weis man nicht so recht, wo die alle hingekommen sind? Wie viele davon gestorben sind? 15.000.000 Menschen wurden durch Entwicklungsvorhaben vertrieben. Wie Staudämme oder Sportanlagen usw. Das Risiko von Entwurzelten also Obdachlosen zu sterben, ist 3 bis 5 mal höher als das eines Wohnungsinhaber. Dann gibt es noch die versteckten Obdachlosen. Nein nicht die Dunkelziffer. Die ist annähernd doppelt so hoch, wird geschätzt. Gemeint sind Frauen, die vor der Gewalt ihrer Männer fliehen mussten. Zumeist mit den Kindern. Für Obdachlose Frauen in Kanada, zwischen 18 und 44 Jahren, ist das Risiko zu sterben sogar 10 mal höher, als beim Rest der Bevölkerung mit festem Wohnsitz. Gibt wohl für alles eine Statistik. Dann gibt es noch die Straßenkinder. Wieder eine Kategorie für sich. In Indien allein gibt es 400.000 davon. In den USA ständig oder ab und zu 1.900.000 Kinder. Also die offiziellen Zahl. Passen so ein paar Zahlen gar nicht zueinander wie man bald feststellen kann.

Mal so nebenbei. 2021 soll der Hartz4 Regelbedarf für eine alleinstehende Person von 432 auf 439 Euro erhöht werden. Grund das man jetzt auch Hartz4 Empfängern das Handy nahe legen möchte. Wenn schon abhören dann alle. Man überlege sich das mal. Ab 2021 und dann 7 Euro. Als Normalverdiener kommst du in den Corona Zeiten nicht mehr mit deinem Geld klar. Billionen Gelder werden in die Welt geschmissen, von der Kanzlerin der Herzen und unsere Ärmsten bekommen einen Handy Zuschlag von 7 Euro. Ob die Leute verhungern, zum Stehlen gezwungen werden, kein Gesellschaftliches Leben mehr haben, dass interessiert die Politik nicht aber das sie sich ein Handy zulegen, für 7 Euro im Monat, dass interessiert die Herrschaften dann schon. Zeigt dieses Beispiel nicht irgendwie die Abartigkeit dieser Welt. Der Menschen und derer die sich das alles wortlos aus Angst gefallen lassen. Natürlich zeigt es das. Aber wer will das schon wissen? Menschen reden gerne und ganz besonders hören sie sich selbst sprechen. Das geht doch nicht. So eine Ungerechtigkeit aber das sind alles nur leere Worte. Solange sie nicht selbst betroffen sind, labern sie nur und ist man dann selbst betroffen, schweigt man aus Scham und Angst. Genau so ist das auch gewollt. Genau so funktioniert das Spiel. Ein widerliches Spiel und gegen dieses Spiel hilft nur sich diesem zu entziehen. Aber dazu braucht es mehr als Floskeln, Wortmitgefühl und Angst. Mut ist es, aber dieser hat sich im Geschwafel der Worte verloren.

Kommentar verfassen