Schweigendes Land. Wege aus dem Leben

Schweigendes Land, liegt karg vor mir. Braun fleckig und trist ignoriert es meine Blicke. Einst sprach es mit Leidenschaft zu mir, doch ist das lĂ€ngst vergangene Zeit. Bunte Bilder in Fetzen treiben noch durch meine letzten Gedanken, kaum aber vermag ich einen Zusammenhang herzustellen. Wie verlorene Kinder sind diese Gedanken. Verloren in der Zeit des Sinnvollen. MĂŒde gar schon trĂ€ge dĂ€mmert das Winterliche in mir. Ein Zucken durchlĂ€uft Arm und Bein, wenn bunte vergangene Bilder, kurz und heftig, zu einer nicht mehr vorhandenen RealitĂ€t werden. GrĂŒnland will dann Einzug halten. ÜbertĂŒnchen das fahle Braun.

Vergangenheit

Sitze in meinem Schaukelstuhl aus Großmutter Zeiten. Sitze und vermag den Verlauf der Zeit nicht mehr zu ĂŒberschauen. Das gestern ist mein Heute und der Morgen nicht anders als mein heutiges Gestern. Wirr wird es des Öfteren in meinem Kopf. Sehe die Fantasie als Wahrheit und erzĂŒrne mich an der Wahrheit, die sich mir nicht mehr offenbart. Das ferne Gestern ist mir noch der beste Freund. Bringt mir Leben in eine sonst tote Zeit. Kindergeschrei ĂŒber leeren Töpfen erzeugt Hunger in mir, Hunger nach Liebe, WĂ€rme und NĂ€he. Ganz kurz dann ist wieder tristes Braun in mir. Vermag die fröhlichen Farben nicht mehr zu halten. In meinem tristen, braunen Zimmer. In meinem schweigenden Land. Ich höre Stimmen und es sind diesmal nicht die Meinen.” Herr Mayer, Herr Mayer sie mĂŒssen essen.” Mehr Eier, mehr Eier? Ich verstehe die Worte nicht mehr.

schweigendes land
Foto von Vlad Chețan von Pexels

Das Vergessen

Etwas berĂŒhrt meine wulstigen, spröden Lippen. Lauwarm fliest ein BĂ€chlein an meinem Kinn herunter. Sammelt sich in meinem faltigen Hals und ich bekomme Lust auf ein Bad im Dorfteich. Kindergeschrei am Pommes Automat. Der Duft desselben steigt mir in die Nase und erfreut mein Herz. “Herr Mayer, Herr Mayer sie mĂŒssen essen.” Ich weiß nicht was diese Person von mir möchte.

Ich kenne diesen Herr Mayer nicht und möchte auch nichts mit ihm zu schaffen haben. Er muss ein seltsamer Mayer sein, da immer diese NĂ€sse mit ihm in Erscheinung tritt. Auch mag ich jetzt nichts essen, da ich gerade Pommes zu mir genommen habe. Mit Mayonnaise. Viel Mayonnaise. Ich sehe die Frau gehen. Wohin sie wohl entschwinden mag? Ich schaukle weiter in meinem Schaukelstuhl aus Großvaters Zeiten. Ich schaukle und schaukle und eine MĂŒdigkeit trĂ€gt mich davon. Ein letzter klarer Blick aus dem Fenster in eine Welt die ich nicht kenne. Dann wird es Dunkel. Herr Mayer, Herr Mayer sie haben ihre Suppe nicht gegessen. Ich muss kurz lĂ€cheln. Erst vergesse ich den letzten Rest der Welt. Dann vergesse ich Herr Mayer.

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Je Ă€lter man wird, desto mehr Ă€hnelt die Geburtstagstorte einem Fackelzug

Katharine Hepburn

3 thoughts on “Schweigendes Land. Wege aus dem Leben

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