Einen Augenblick im Leben

Man sagt ja gerne, wenn man frisch verliebt, ich werde dich immer lieben. Was meint der Mensch wenn er so leichtfertig und vollmundig verkündet, ich werde dich immer lieben? Mit Sicherheit nicht, dass er oder sie einen für immer lieben wird. Empörung. Wie kann der Mann das behaupten? Kennt er uns doch nicht. Ich brauche auch keinen zu kennen um zu wissen, dass es nur sehr, sehr Wenige gibt, die es mit für immer lieben nicht nur ernst meinen, sie wissen auch was es bedeutet. Für immer lieben heißt für immer lieben. Egal was immer da auch kommen mag. Doch diesen letzten Satz verstehen die meisten Menschen völlig falsch. Er bedeutet nicht, ich liebe dich bis ich gehe und er bedeutet auch nicht, ich werde dich lieben bist du gehst. Ja, was ist denn das? Bist du gehst? Wenn ich gehe klar ist meine Liebe vorbei und wenn du gehst dann auch. Dauert wohl ein wenig aber dann ist sie vorbei. Die Liebe. Warum sollte ich noch Jemanden lieben, der mich verlassen hat? Ja warum.? Die Frage sollte sein, warum nicht? Er mag aufgehört haben einen zu lieben aber warum sollte damit meine Liebe aufhören? Nein nicht die Gedanken eines Stoikers. Wenn man verlassen wird, dann hört die Liebe ja nicht auf. Man liebt weiter. Man wollte ja nicht verlassen werden und die Gefühle des Gegenüber, sind nicht die meinen Gefühle. Leider ist das in unserer Gesellschaft nicht gefragt. Verlassen werden gleich Krieg, Ablehnung, Wut, Eifersucht, Geltungsdrang, Rache Gefühle usw. Aber Liebe? Den lieben, der einen verlassen? Never. Ich frage warum nicht? Warum soll ich einen Menschen der mich geliebt hat, den ich liebe, nicht weiter lieben? Natürlich muss ich die Art der Liebe verändern aber trotzdem kann man weiter lieben. Auch die Person die geht, kann die Liebe verwandeln. Ich muss nicht aufhören einen Menschen zu lieben, mit dem ich unter Umständen viele Jahre verbracht habe und wirklich viele davon mehr als glücklich. Niemand kann garantieren, einen anderen Menschen auf diese eine Art für immer zu lieben. Aber Jeder kann auf eine andere Art, diesen besonderen Menschen immer weiter lieben.

Es ist Usus in dieser Gesellschaft das nicht zu machen. Das wird uns nicht beigebracht. Zumeist wird Liebe wie ein Gegenstand behandelt. Wie Etwas das man erworben hat. Wie ein Besitz. Aber keiner besitzt einen anderen Menschen. Dieser Mensch geht auch durch eine Heirat nicht in den eigenen Besitz über. Dieses Denken, ich habe geheiratet jetzt bin ich auf der sicheren Seite der Liebe, ist ein sehr irrationales Denken. Es suggeriert uns eine Illusion. Keiner, nicht ein einziger Mensch, kann eine Garantie für seine Liebe unterschreiben. Denn Keiner ist der Herr über die eigenen Gefühle. Ich kann über sie wachen, aufpassen das sie sich dort aufhalten, wo sie sich meiner Meinung nach aufhalten sollen. Aber ich kann weder bestimmen wann sie anfangen, noch wann sie aufhören. Dazu sind Menschen nicht in der Lage. Ich kann versuchen sie am Leben zu halten. Ich kann versuchen sie zu dirigieren, aber letztendlich kann ich nur das fühlen, zudem ich bereit bin. Und das ist nicht allein von unserem Bewusstsein abhängig. Jeder Gedankengang in eine andere Richtung als der Person mit der wir gerade leben, wird einen kleinen Spalt in unserem Unterbewusstsein öffnen. Dieser Spalt wartet ab diesem Moment auf Füllung. Mit jedem Gedanken der diesen Spalt füllt, werden wir das Grab unserer Liebe schaufeln. Liebe vergeht nicht von alleine. Liebe geht, wenn wir aufhören ihr zu folgen. Wenn wir nach den Gefühlen des Gegenüber anfangen zu suchen und nicht erkennen das wir nur unsere eigenen verlassen haben. Liebe ist nicht allein dazu da sie zu genießen. Liebe möchte behütet, genährt und bewundert werden. Am Anfang im Verliebt sein, da passen wir noch auf. Ohne aufzupassen. Unser Gefühl wacht über unsere Liebe. Aber nicht das Gefühl ist der Wächter, wir sind die Wächter. Wir sollten aber fühlen und nicht wachen. Es gibt nichts das es zu bewachen gäbe. Nur zu fühlen gibt es mehr als wir uns vorstellen können. Aber wir ziehen das Wächter sein vor. Damit kennen wir uns aus.

Es gibt einen Aspekt in der Liebe, der unabdingbar für die Liebe. Dieser Punkt ist aber die Achillessehne der Menschen. Das Vertrauen. Nicht das Vertrauen in unser Gegenüber. Das Vertrauen, dass wir uns selbst gegenüber haben sollten. Ohne dieses Vertrauen sind wir nur die Wächter unserer Liebe. Können wir nicht weiter lieben, als bis zum Ende dieser Art von Liebe, die uns zu einem Paar macht. Können wir nicht sagen, es war eine wundervolle Zeit mit ihr. Dafür danke ich dir und wünsche dir nur das Beste auf deinem weiteren Lebensweg. Auch würde ich dir weiterhin gerne begegnen. Wenn es geht Freunde sein. Egal ob verlassen worden oder selbst gegangen. Vertrauen in die eigene Person bringt diese echte Art der Liebe. Die Gewissheit sagen zu können, ich werde dich für immer lieben. Nicht als Floskel, als Wissen das dem wirklich so ist. Würde das unser Leben nicht so viel besser machen? Würde es die Welt nicht so viel besser machen? Mit Sicherheit. Die Menschen sind alle so unterschiedlich. Ihre Gedankenwelten so weit voneinander entfernt. Über diese Wege wird man nie einen gemeinsamen Weg finden. Allein die Liebe wäre imstande die Welt radikal zu verändern. Einen gemeinsam Weg zu finden, damit wir alle die Möglichkeit haben, glücklich und ohne Angst zu leben. Gleichberechtigt ohne Neid, Hass und Egoismus. Anstatt die Welt verändern zu wollen, müssen wir den Mensch erneuern. Uns selbst. Unser Denken. Unsere Art zu vertrauen. Unsere Art zu lieben. Unsere Art zu fühlen. Gefühle sind kein Gegenstand. Ein Gefühl ist ein mächtiges Lebewesen. Ein Löwe oder ein Lamm. Ein Schmerz oder eine Freude. Der Wahnsinn oder kaum wahrzunehmen. So leise und sanft, so laut und schrill. Wir sollten alle lernen darauf zu spielen. Wie auf einem wundervollen altem Klavier. Eine Sinfonie im Frühling. Ein Akkord im Wind. Eine Note in den Wolken. Einen Moment mit Gott auf einem Stern irgendwo im Universum.

photo klimkin

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: