Betrachtungen

Vor kurzem kam eine Spinne in mein Sichtfeld. Ich wollte schon wieder weiter schauen, da kam mir ein seltsamer Gedanke. Was macht diese Spinne den ganzen Tag über? Denken kann sie nicht. Fühlen muss sie beschränkt können. Aber was macht sie? Sie versteckt sich, wenn ihr Netz gebaut und dann wartet sie. Wartet sie den ganzen Tag? Wenn jetzt keine Beute ins Netz geht, da der Standort ungünstig. Wie wählt so eine Spinne einen Standort aus? Hier bin ich, hier spinne ich? Ansonsten nur warten bis etwas im Netz zappelt? Ab und zu kommt der Paarungsdrang. Ansonsten sind Spinnen nicht wirklich gesellige Zeitgenossen. Leben alleine. Keine Kommunikation. Nur warten, bauen, Liebe machen. Wobei da manche Männchen gefährlich leben. Kann man schnell mal als Mahlzeit enden. Einfach nur bauen, warten, fressen, Sex und fertig.

Webspinnen

Wie wäre das für uns Menschen? Arbeiten, Bauen, Essen, Sex und fertig. Dazwischen ein paar Gedanken, die sich die Spinne nicht machen kann. Klingt zu einfach gestrickt. Ist es auch. Unser komplexes Gehirn würde das nicht zulassen. Es ist Vergnügungssüchtig. Braucht ständig Beschäftigung. Anreize durch Stimulierung unseres Lustzentrums, das dicht verwoben mit dem Angst Zentrum. Darum erfahren manche Menschen, wenn die Angst abnimmt, Lust. Wir wollen uns nicht mit Problemen beschäftigen. Das mag unser Gehirn nicht. Es sucht nach Entspannung, Anregung, Abenteuer, Lust. Nur nichts das belastet. Lieber ein guter Streit als Langeweile. Wobei Langeweile Heute gar nicht mehr aufkommt. Zu Einem haben wir alle keine Zeit, da wir voll ausgelastet. Echt? Zum Anderen sorgen unsere ständigen Begleiter, Smartphone, Laptop, Music player für ständige Beschäftigung. Ich kann mich noch gut erinnern; wie mir als Kind oft Langweilig war.

Gerade keine Freunde zur Hand. Die Spielsachen begrenzt und öde mit der Zeit. Sonntag war so ein cooler Tag. Spaziergang oder Wanderung mit den Eltern. Aber zumeist Zuhause sitzen. Fernsehprogramm. Sehr lustig. Da gab es nicht viel. Würde man einen jungen Menschen von Heute, ins Jahr 1965 zurück versetzen, der würde einen Schock erleiden. Hätte keine Ahnung wie er kommunizieren sollte. Was er mit der ganzen Freizeit anfangen könnte. Der heutige Mensch ist total Reiz überflutet. Ständig auf der Suche nach Irgendwas. Selbst der heilige Urlaub artet in Stress oder Trinkgelage aus. Oder man begibt sich in sportliche Aktivitäten. Eine Bekannte von mir ist da ein besonders seltsames Exemplar. Sie legt sich in die Sonne und dann , Nichts. Kein Muskel zuckt. Sie liegt einfach da und macht gar nichts. Irgendwann, man erschreckt schon, weil man bevor sie sich wieder bewegt, nachsehen wollte ob sie noch lebt, steht sie auf. Geht ins Wasser, ohne ein Wort, legt sich wieder hin und das Spiel beginnt vor Vorne. Ich habe sie mal gefragt, was sie denn so denkt, wenn sie so die ganze Zeit bewegungslos da liegt. Ihre Antwort. Nichts. Sie entspannt sich einfach. Lauscht den Geräuschen um sich herum und geniest das Nichts. Respekt. Das würde ich auch gerne können.

Aber das läßt mein Gehirn nicht zu. Das rattert ständig. Ich kann schon mal 20 Minuten da liegen aber in diesen 20 Minuten habe ich 1000 Einfälle. 1000 Einfälle was ich jetzt gerade machen oder schreiben könnte. Dann möchte ich alle Gedanken am liebsten auf einmal ausführen. Was mich aber hindert, da man nicht alle Gedanken auf einmal ausführen kann. Dann geschieht Nichts. Also das Ende habe ich dann mit der Bekannten gleich. Wobei sie dann viel geschillert wirkt. Was sie auch ist, denke ich mal. Wenn man die Menschen betrachtet, dann kann man kaum glauben, wie unterschiedlich wir doch alle sind und uns doch so ähnlich. Komplex und doch einfach. Intelligent und doch manchmal so Irreal. Abergläubisch und doch so Vernunft besessen. Manchmal extrem anziehend und dann wieder so abstoßend. Zwischen Vernunft und völligen Austicken manchmal nur Sekunden. Mal emotional und dann kalt wie Eis. Ein einziges Wort kann Welten trennen und aus Freunden, Feinde machen. Ein Wort, ein falscher Satz und die Welt ist von einem Moment auf den Andere, eine völlig Andere. So lieb und hilfsbereit, so gefährlich und uneinsichtig können wir alle sein. Eine Verletzung durch einen nahe stehenden Menschen, vergisst man unter Umstände ein ganzes Leben nicht. Scheint der Mensch nach Außen vernünftig, so ist sein Inneres das genaue Gegenteil. Es braucht nur den richtigen Anlass dafür und davon gibt es Viele. Viel zu Viele.

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photo Margit Wallner auf Pixabay 

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