Wenn ich mich gefunden habe,darf ich dann sein wer ich bin?

INSCHRIFT VOR DER FREIHEITSSTATUE

Gebt mir eure M√ľden, eure Armen,
Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren,
Die bemitleidenswerten Abgelehnten eurer gedr√§ngten K√ľsten;
Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen,
Hoch halt’ ich mein Licht am gold’nen Tore!
Sende sie, die Heimatlosen, vom Sturm Gestoßenen zu mir.
Hoch halte ich meine Fackel am goldenen Tor.

Worte denen eine Mauer als Tat folgt.

Wort der Moderne. Selbstfindung. Autark sein. Sein Selbst leben. Der Buchmarkt √ľberschwemmt von Selbstfindungsratgebern. Werde dein Selbst. Finde dein Selbst. Ich habe einige dieser Selbstfindungsratgeber gelesen. In Prinzip erz√§hlen sie alle das Gleiche. Geben der jeweiligen Findungsmethode nur andere Namen. Hast du eins gelesen, kannst du dir m√∂glicherweise ein Zweites sparen. Au√üer du stehst auf Wiederholungen. Gefunden habe ich mich dadurch nicht. Ich habe sogar aus Neugier so ein Selbstfindingsseminar besucht. Finde dich selbst durch . . . An einem Wochenende. Ein ganzes Wochenende…. Selbstfindung. Gefunden habe ich mich auch da nicht. Der Kursleiter hat wohl wie ich, ein paar zu viel von diesen Ratgebern gelesen. Sich aus diesen Ratgebern rausgezogen was er f√ľr stimmig hielt und dem Ganzen einen kreativen Namen verpasst.

Ganz ehrlich, der Schrott war es nicht Wert, dass Wochenende daf√ľr zu opfern. Dieses lieblos zusammen gezimmerte Seminar und der Mann ohne Charisma, waren einfach nur langweilig. Zumal es ein gro√ües Problem gibt, mit diesen Selbstfindungsseminaren. Wie soll ein Anderer mich finden? Sprich seine Anleitung mich zu mir f√ľhren? Das ist doch nur sein Weg, bei dem er sich wahrscheinlich nicht einmal selbst gefunden hat. Wie kann auch Irgendwer wissen, wie ein Anderer sich selbst finden kann? Wobei die Frage aufkommt, wann und wo ich mich √ľberhaupt verloren habe? Auch wenn er aus reinem Zufall darauf sto√üen w√ľrde wer ich bin, w√ľrde ich es glauben? Nein, wie k√∂nnte ich das? Ich weis doch gar nicht wer ich bin. Schnell h√§tte ich hundert Argumente, warum er mit seinen Aussagen falsch l√§ge. Er kann weder in mich hinein f√ľhlen, noch kennt er meine Geschichte und seine erdachte Methode gr√ľndet auf der Annahme, dass ich √§hnlich funktioniere wie er selbst. Das ist nat√ľrlich Bullshit. Darauf basieren all diese Selbstfindungswunderwerke. Auf der Annahme wir w√§ren uns alle √§hnlich. Aber keine Geschichte ist gleich. Keine. Niemand f√ľhlt wie du, keiner f√ľhlt wie ich. Keiner denkt wie ich und Niemand denkt wie du.

Ich bin der, der ich bin. Eine einfache Aussage, die aber ohne Bezug zur L√∂sung dieses Problems daher kommt. Bin ich das was ich mache? Mein Beruf, mein Hobby, meine Gedanken, meine Macken‚Ķ.? Was macht mich nicht nur aus, was sagt auch, das bin ich? Wenn ich eine Seele besitze, kann ich dann √ľberhaupt Jemand sein? Oder bin ich nur ein Experiment meiner Seele? Lauter ungekl√§rte Fragen aber die L√∂sung haben diese Leute schon. Sie benutzen unsere Sehns√ľchte, unser Verlangen.

Bin ich das was ich denke? Bin ich nicht ständig jemand Anderer? Folge ich dem roten Faden meiner Gedanken? Bin ich das alles zusammen oder einfach nichts? Wer bin ich? Oder heißt das, Wer und Was bin ich? Und ist das nicht völlig egal? Bin ich nicht ständig eine andere Person? Bin ich nicht der, der handelt wie er eben handelt und ist wie er eben ist? Aber was ist mit meinen Handlungen, mit meinen Gedanken die ich niemanden erzähle und zeige? Die bin ich auch nur keiner soll es wissen. Legt das nicht den Schluss nahe, das selbst wenn ich mich erkenne, niemand außer mir selbst jemals wissen wird, wer ich wirklich bin? Und verheimliche ich nicht vor mir selbst wer ich wirklich bin? Soll das ein Seminar Leiter an einem Wochenende, mit 20, 50 oder mehr Leuten heraus finden? Nur wenn er Gott heißt.

Warum stelle ich mir dann diese Frage √ľberhaupt? Wer braucht diese Identit√§t? Ist es f√ľr mich wichtig zu wissen wer ich bin? Wenn ja, warum war es bis Heute nicht wirklich wichtig? Mein ganzes bisheriges Leben wusste ich nicht zu 100%, wer ich tats√§chlich bin und habe trotzdem gelebt. Was also soll an dieser Sinnfrage so wichtig sein? Teilen k√∂nnte ich es mit niemanden und mich weiter bringen? Wohin? Was w√ľrde sich f√ľr mich ver√§ndern wenn ich sagen k√∂nnte, Robert ist Dieses und Jener, Punkt? W√ľrde das mein Leben ver√§ndern? Und wer sagt; dass ich nicht l√§ngst weis wer ich bin? Nur mein Ich gemachtes Ego findet das nicht gut genug. Ich muss doch mehr sein. Besser sein. Sollte man nicht mehr nach Akzeptanz schauen und nicht nach H√∂herem, Besserem? Bin ich im n√§chsten Moment noch der Robert von gerade eben? Entwickele ich mich nicht weiter und ver√§ndere dadurch Robert? Wenn ich mir neue Bausteine hinzu f√ľge, bin ich dann Neu oder der Alte mit neuen Bausteinen? Mir ist es wichtig das zu leben, was ich so in mir f√ľhle. Das zu leben was ich mir w√ľnsche, kann ich in meinen Tr√§umen und wenn sich dann ein Traum erf√ľllt Halleluja. Alles andere ist nur Sinnsuche, f√ľr die Sinnsuche. Es w√ľrde nichts ver√§ndern, wenn ich bewusst w√ľsste wer wirklich ich bin, denn unbewusst kann ich nur leben Wer und Was ich bin. Das geht gar nicht anders. Da Ich, Ich bin. Das Bewusstsein kann das Unterbewusstsein nicht ver√§ndern. Ich kann aus Robert, nicht Klaus machen. So sehr ich es mir dann w√ľnschen w√ľrde. Ich kann mich verbessern, auch ver√§ndern aber ich bleibe Robert. Da niemand das Unterbewusstsein auf Null stellen kann und das w√ľrde ich auch gar nicht wollen. Denn egal wie mein Leben auch ausgesehen haben mag, ich m√∂chte es nicht f√ľr ein anderes austauschen, wenn ich mich selbst dadurch verlieren w√ľrde. Ich m√∂chte immer mich selbst sein. Und wenn ihr tief in euch hinein h√∂rt, m√∂chtet ihr dann Jemand anders sein?

photo silviarita auf Pixabay

2 thoughts on “Wenn ich mich gefunden habe,darf ich dann sein wer ich bin?

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