Von einer längst vergessenen Sprache

Wer spricht, braucht Worte, wer sich unterhält, braucht Sprache.

Kühn-Görg, Monika

Einst besaßen wir eine Sprache, die heute kein Mensch mehr zu sprechen vermag.

Von einer längst vergessenen Sprache

Die Sprache der Liebe existiert nicht. Sie existiert nicht da wir Menschen keine Sprache für Gefühle besitzen. Wir haben tausende Worte für unsere Handlungen aber nicht ein Wort für unsere Gefühle. Daher denken wir alle wissenschaftlich. Geben, nehmen, sitzen, stehen, schlafen, wach sein. Kein Gefühlswort das diese Handlungen begleiten würde. Denken ist unsere Sprache. Weshalb wundern wir uns dann, wie die Welt aussieht? Voller Kriege, Hass, Gier und Wahn. Wenn die Sprache keine Gefühle transportiert, was transportiert sie dann? Kälte, klinische Sterilität. Für alles haben wir Worte und wenn sie uns ausgehen, bemühen wir die Zahlen. Wie fühlst du dich, wie sehr schmerzt es? Bitte auf einer Skala von 1 bis 10. Auf einer Skala von 1 bis 10. Fühlt ihr das Gefühl in dieser Skala? Kalt, wissenschaftlich. Meine 5 ist vielleicht deine 8 und deine 8 die 4 von ihr. Nichts sagen diese Zahlen über unser Gefühl. Nichts.

Es soll uns sagen, ich verstehe dich. Ja verstehen schon aber mitfühlen? Fühlst du meine 5. Was sagt dir dein Gefühl zu meiner 5? Damit will man uns beruhigen. Damit lassen wir unsere künstliche, gefühllose Welt weiter existieren. Warum haben wir keine Sprache für unsere Gefühle? Verliebt, Schmerz, Hass, Wut und Angst sind keine Sprache. Sie versuchen einen Zustand zu erklären. Klägliches Versagen ist die Antwort auf diesen Versuch. Das alles sagt unserem Gefühl gar nichts. Nichts sagen diese Worte über die herrschenden Zustände in mir. Daher kann ich dich nicht verstehen und du mich nicht. Wir könnten versuchen nachzuvollziehen, das wäre es aber auch schon. Gefühle brauchen Worte, wenn wir uns verstehen wollen auf gefühlsmäßiger Basis. Wenn wir uns wirklich einfühlen wollen. Ohne eine gemeinsame Sprache der Gefühle in Worten, gibt es weder Frieden noch Liebe zwischen Menschen. Es ist immer nur eine billige Kopie des Fühlens.

Wir werden immer weiter mit unserem Verstand handeln, dem jegliches Gefühl abgeht.Weiter mit Verstand Gefühle ersetzen wollen. Aber unser Verstand kann sie nicht erklären, da er keine Worte für Gefühle findet. Es ist wie ein stetiger Versuch einen Monet erklären zu wollen mit dem Verstand. Monet ist das Gefühl an sich und der Verstand macht in seinem Versuch das Gefühl darin erklären zu wollen, daraus die Zeichnung eines 1 Jährigen. Dieses unsinnige Tun wird immer scheitern in uns. Warum also gibt es keine Sprache der Gefühle? Wir studieren doch alles. Wir erklären doch alles. Wir wollen doch alles verstehen. Warum also frage ich euch, warum gibt es keine Sprache der Gefühle? Was würde so eine Sprache bewirken? Was würde geschehen, könnte ich deine und du meine, Gefühle in Worten verstehen? Wenn ein Schmerz ein Arrgga und/oder ein Ubraa, deine Freude ein Johala und/oder ein Johaloa wäre. Wenn ich mein Gefühle an Worte binden könnte, die du erfühlen kannst? Was würde geschehen?

David Mark auf Pixabay 

Was würde mit den Menschen geschehen, wenn sie eine Sprache der Gefühle hätten? Müsste die Welt sich nicht komplett verändern? Würden nicht plötzlich Menschen mit großen Gefühlen und kleinem Flüstern die Welt regieren ohne Regenten zu sein? Würde sich das gefühllose Pack nicht davor fürchten? Hätten sie nicht Angst ihre eigenen dunklen, bösartigen Gefühle zu verstehen? Wenn ihre Gefühle plötzlich sprachlich mit dem Gehirn kommunizieren. Wie würde das Böse in uns plötzlich Gestalt bekommen? Würden wir nicht anfangen das Böse, das Schlechte zu meiden? Würden wir nicht viel lieber der Sprache des Herzen folgen, die wir plötzlich verstehen können? Würde ein verdorbener Geist nicht nach Reinigung suchen? Ich denke die Welt wäre eine völlig andere, hätten wir eine Sprache der Gefühle. Eine ganz andere, bessere Welt.

Bitte nur mit Kopfhörer anhören.

header image by Irina Logra auf Pixabay 

17 thoughts on “Von einer längst vergessenen Sprache

  1. Hallo Robert.
    Dein Text gefällt mir wieder sehr.
    Auch mag ich Mettalica.
    Zusammen ergeben sie für mich allerdings keinen Sinn.
    Haben Gefühle doch etwas weiches, wie dein Text auch.
    Mettalica ist allerdings hart.
    Dieser Widerspruch irritiert mich etwas um deinen Beitrag als rund und stimmig zu empfinden.
    LG, Nati

  2. Ohne Sinn und Verstand arbeitest du nicht Robert, das weiß ich.
    Für mich, mein Gefühl, gab es keine Verbindung.
    Aus deiner Warte betrachtet klingt es im Nachhinein passend, auf die Kälte angesprochen.
    Ist doch schön wenn es durch den gegenseitigen Austausch verständlicher wird.

  3. Natürlich gibt es die Sprache der Gefühle. Poesie. Shakespeares Sonette. Andererseits: wenn Sprache in eins fallen könnte mit dem Gefühl, wäre dieses keines mehr. Die Wortbedeutung für Gefühl ist ja gerade der Umstand, dass es sich der umschreibenden Worte entzieht. Aber die Poesie vermag es, umschreibt es annäherungsweise am besten.

    • Grüß dich Achim
      Da haben wir zwei völlig verschiedene Sichten. Umschreibung ist keine Sprache für mich. Musik hat ihre eigene Sprache und Gefühle brauchen eine Sprache, wenn wir es nicht weiter unserer Ratio gestatten wollen, diese Welt nicht zu achten und Menschen wie Dinge zu behandeln.

      • Ich sagte ja auch „annäherungsweise“ Umschreibung. Die Philosophie ist da ebenfalls sehr unentschieden. Viele glauben, dass Gefühle erst durch Denken entstehen, und das Denken an die Sprache geknüpft ist, als seine Voraussetzung. Haben wir Gefühle ohne Sprache? Ich bin mir da nicht sicher. Aber ich glaube daran, dass durch Sprache Emotionen nicht nur ausgedrückt und benannt, sondern auch intensiviert oder gar erst geschaffen werden. Beim Lesen eines Gedichtes isr es für mich genau Diese Sprache, die in mir ein stimmiges Gefühl aufkommen lässt. Mein Gefühl hat in diesem Moment eine Sprache, eine Sprache bekommen.

        • Ja aber diese Sprache lebt nur in dir. In diesem Moment. Stell dir vor du könntest diese Sprache in Worten teilen. Was würde das mit den Menschen machen. Wenn du in Worten deine Gefühle wiedergeben könntest und dein Gegenüber könnte mit dir in dieser Sprache sprechen. Er würde mit dir fühlen. Deine Worte wurden zu seinen Gefühlen. Er wüsste was du fühlst. Nicht abgeleitet, nicht irgendwie konstruiert. Nicht durch etwas untermalt. Einfach als Gespräch von Gefühl zu Gefühl.

      • Lieber Robert,

        du unterstellst, dass es eine Sprache der Gefühle geben soll, geben könnte. Sozusagen die Transformation des Gefühls in ein zeichenorientiertes Etwas (es muss nicht unbedingt Sprache sein, die ein Gefühl anzeigt, das können auch Lautmalereien, körperspracchliche Elemente und so fort ) in Echtzeit. Gefühle in ihrer Unmittelbarkeit, in nuce, in ein solches Zeichensystem zu übersetzen, ist immer bereits eine Art von Verfälschung. Insofern hast du Recht, wenn du sagst, dass ein solches Zeichensystem nicht existiert. Der nach Stand der Neurowissenschaft unverfälschlichste Blick darauf wäre ein Nachweis des Neuronengewitters durch bildgebende Verfahren, daraus ein Gefühl zu interpretieren schlägt fehl. . Mehr ist zur Zeit nicht möglich, und eine von dir ersehnte Sprache dafür, die wird es vermutlich nie geben. Aber ist das so dringendermaßen notwendig? Ich glaube an die Wirkmächtigkeit der Sprache auch in diesem Bereich. Ich bin überzeugt davon, dass es bei entsprechender Sprachkompetenz und Sprachperformanz jedem Menschen möglich wäre, Gefühle so zu kommunizieren, dass es als Gefühl beim anderen ankommt, gefühlige Reaktionen hervorruft und das Gefühl fast in seiner Eineindeutigkeit zu vermitteln möglich macht. Mehr Gefühl ist nicht zu haben.

        • Es geht mir nicht darum Gefühle 1 zu 1 in Worte zu bringen. Es geht mir darum Gefühlen eine Sprache zu geben in Worte die jeder in sich erfühlen und “interpretieren” besser noch verstehen kann. Ein Wörterbuch Gefühl in das sich jeder einfühlen lernen kann. Das muss nicht zu 100 % sein. Wenn jeder 50% davon erfühlen kann sind wir einen großen Schritt weiter im Verständnis uns selbst und jedem anderen Menschen gegenüber. Worte wie zb. Gronn oder smanng. Wörter in denen wir a. ein Gefühl erkennen könnten und b. alles Wörter die es in keinem bisherigen Sprachgebrauch gibt.

          • Jedes dieser Wörter muss in eines oder mehrere Wörter übersetzt werden, die wir bereits kennen. Und das ist der Schwanz, in den die Katze beißt. Jedes Vogelgezwitscher musste diesen Akt der Konventionalisierung durchlaufen, damit Vögel überhaupt verstehen konnten.

          • Nein eben nicht. Wir mussten auch irgendwann die jetzige Sprache lernen. Dafür gab es auch leine Vorbildfunktion oder einen Duden zum nachschlagen. Eine Sprache von Grund auf lernen. Vielleicht müssten wir dafür sogar unser Buchstaben System verlassen. Phantasie, Einfühlungsvermöen, Neugier, Gespür und Gefühle in Einklang bringen. Nur weil es etwas noch nicht gibt oder wir noch keine Idee dazu haben, heißt das nicht das es nicht entstehen könnte. Mal die andere Seite, die kaum wissentlich genutze Seite im Gehirn motivieren. Denken weg, erfühlen her. Den Gefühlen eine Sprache geben heißt eben nicht die Ratio zu nutzen. Damit sind wir bisher was Menschlichkeit und Liebe unter den Menschen angeht, nicht gut gefahren.

          • Wir besitzen aber bereits eine Sprache. Manche sogar mehrere. Das ist kein „Urzustand „ mehr, in dem alles auf Anfang gesetzt war. Eine Sprache des Gefühls wird immer sich an bereits Vorhandenem zu orientieren haben, sie wird immer überlagert sein.Oder aber wir entleeren uns sozusagen der genutzten Sprachen. Ob das realistisch oder wünschenswert ist, muss jeder für sich beantworten. No way back.

          • Warum sollte das Eine das Andere ausschließen? Wir sind fähig viele Sprachen zu sprechen. Da wird uns eine Sprache der Gefühle nicht überfordern. Und warum sollte es sich an Vorhandenen orientieren? Genau das Gegenteil ist der Fall. Sie muss völlig unabhängig davon agieren. Daher muss sie schon fast ohne unsere Buchstaben auskommen. Geräusche scheinen mir da am sinnvollsten. Da schon Musik unser Gefühl sehr gut anspricht. Auch dürfen wir uns nicht unserer Sprache entleeren. Es muss eine kooperation stattfinden. Später nicht gleich.

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