Woodstock
Bild von PixelAnarchy auf Pixabay

Woodstock, ein Wort, ein Festival, eine Generation. Wer das Wort Woodstocck hört denkt wohl sofort an “Love and Peace”, Hippies, Drogen und Musik. Aber dieses Festival war viel mehr. Am 15.08.1969 also vor 50 Jahren startete dieses legendĂ€re Festival. Ein Tag nach meinem 9 ten Geburtstag. Leider nicht vor meinem 19 Ten Geburtstag. Ich wĂ€re dort gewesen. Woodstock ist fĂŒr mich der Inbegriff vom Mensch sein. Junge Menschen die sich zusammen finden um Menschen zu sein.

Geplant war das Festival vom 15 bis 17 August. Es endete aber erst am Morgen des 18 August. Ein Revival zum 50 Jahrestag wurde jetzt abgesagt. Kein Platz, keine Musiker. HĂ€tte aus meiner Sicht auch keinen Sinn gemacht. Dieses Festival war einzigartig und nichts kann seinen Geist wieder beleben. Das Festival fand nicht wie ursprĂŒnglich geplant in Woodstock selbst statt. Es gab kein groß genuges GelĂ€nde dort. Das fand man in White Lake, nahe Bethel im Bundesstaat New York, ca. 70 Kilometer von Woodstock entfernt. Auf der WeideflĂ€che eines Viehbauern. Was als Festival geplant endete in einem positiven Chaos, das dem Festival seinen legendĂ€ren Ruf einbrachte. Musiker aus Folk, Blues, Rock, Psychedelic Rock und Country, gaben sich die Ehre.

Bild von nelag0 auf Pixabay

Die Organisation an sich war schon sehr ĂŒberschaubar aber als plötzlich eine Völkerwanderung begann, wussten alle das dies etwas ganz besonderes werden wĂŒrde. Durch die gigantische Menschen mengen waren bald alle Straßen blockiert. Was zur Folge hatte, das die kommerziellen Essen stĂ€nde, gar nicht erst zum Festival gelangen. So gab es nur drei alternative StĂ€nde die, die Menschen mit Essen versorgten. Das Chaos wurde schließlich so groß, dass die Musiker keine Chance hatten zum Festival durch kommen zu können. So mussten Hubschrauber organisiert werden, um die Musiker einzufliegen.

Ein paar ZĂ€une die zum absperren des GelĂ€nde gedacht waren, wurden einfach umgetrampelt. So kamen immer mehr Leute auf das GelĂ€nde, ohne gĂŒltige Eintrittskarte. Irgendwann kapitulierten die Veranstalter und verkĂŒndeten das Woodstock frei fĂŒr Jedermann sei. Was natĂŒrlich noch mehr Menschen an lockte. Nach und nach gingen die Medikamente aus. Was schlecht war, da es viele Menschen gab, die mit dem Drogenkonsum nicht zu Recht kamen. Nelson Rockefeller, der damalige Gouverneur von New York, wollte die Nationalgarde schicken um Woodstock unter Kontrolle zu bringen. Das wurde ihm ausgeredet und am Ende brachte die Nationalgarde, Medikamente und kostenlose Ärzte. Eine Weise Entscheidung.

Es kam auch der Moment an dem alle Lebensmittel ausgingen. Es gab nichts mehr. Alle Wege zu und kein Essen. Da geschah die nĂ€chste Menschlichkeit. Die Anwohner sammelten Lebensmittel und spenden diese. Berge von Lebensmittel wurden einfach frei zur VerfĂŒgung gestellt. Stullen geschmiert. Konserven ausgepackt. Einfach der Hammer. Zwischen all diesen Begebenheiten gab es natĂŒrlich Musik. Der einzige Musiker der es ohne Hubschrauber auf die BĂŒhne ( eine HolzbĂŒhne) schaffte war Richie Havens. Er sollte erst spĂ€ter auftreten. Aber die Musik hĂ€tte schon lange spielen mĂŒssen. Havens war nicht begeistert, da er befĂŒrchtete das Publikum wĂŒrde ihn aus pfeifen, aus lauter Frust. Schließlich ging er auf die BĂŒhne und sein Auftritt wurde legendĂ€r. Nach 2 Stunden hatte er alles gespielt was er an Repertoire auf Lager hatte. Aber es waren noch keine andere Musiker da. Was viel dem Mann ein? Er erfand einfach einen Song. Auf der BĂŒhne und dieser Song ging den Festivalbesuchern unter die Haut. Freedom. Bis heute sein bester Song. Improvisation mit Stil.

UnzĂ€hlige Bands mit und ohne Bekanntheitsgrad gaben sich die Klinke in die Hand. Darunter The Who, Jimmy Hendrix mit seiner Interpretation der Nationalhymne Amerikas. FĂŒr alle die unglaubliche Verbindung des Vietnamkrieges, der zu dieser Zeit noch tobte und Woodstock. Den Menschen, die diesen Krieg völlig ablehnten.Wobei man wissen muss, das alle Wehrdienst fĂ€higen Jugendlichen, direkt in den Vietnamkrieg geschickt wurden. Ihre VĂ€ter waren der Meinung das MilitĂ€r MĂ€nner aus ihnen machen wĂŒrden und das Krieg etwas Gutes sei, weil man die Heimat verteidigen muss. Krieg als etwas Gutes zu sehen ist Perse schon mal Geistes gestört aber es gut zu finden, die eigenen Kinder da rein zu schicken, grenzt dann schon an Hirntod. Man mĂŒsste auch mal die Frage stellen und das werden die Jugendlichen damals auch getan haben, seit wann ist Vietnam die Heimat der Amerikaner?

Joan Baez, Janis Joplin, Melanie Safha, Ravi Shankar, CCR, Santana. Carlos Santana mit seiner Band, die mit einen völlig neuen Sound die Massen begeisterten. Tim Hardin, Great Full Death oder Jefferson Airplay um nur ein paar zu benennen. An den Abenden war das GelĂ€nde von 1000 Lagerfeuer und hundertausenden Feuerzeugen erhellt. Magische unvergessliche Momente. Alle zusammen im friedlichen, brĂŒderlichen, schwesterlicher Harmonie. Ok, manchmal musste man nur kurz durch die Nase einatmen und schon war man high. Jutezelte, Autos, Zelte und bunte Busse dienten als Nachtlager. Ein riesiger Flohmarkt in dem Hippie alles fand was er benötigte. Am Rand des Festival ein stetig fließender Strom aus Menschen auf einer vierspurigen Bahn.

Menschen die sich als Außenseiter sahen, die dachten sie wĂ€ren mit ihrem Denken alleine, befanden sich plötzlich unter ihrer eigenen Art. Um die 400.000 Leute, die alle dachten wie sie selbst. Was fĂŒr ein GefĂŒhl. Woodstock verkörpert fĂŒr mich, eine Welt wie sie sein sollte. Frei von Gewalt und Krieg. Menschen die sich als BrĂŒder und Schwestern sehen. Wobei Abseits von Bruder und Schwester gab es noch die “Freie Liebe”. In einer eher prĂŒden Zeit badeten da Menschen völlig nackt und keiner störte sich daran. Und es wurde nicht nur gebadet. Man paarte sich wild untereinander. Nicht alle aber doch ein erheblicher Teil. Es war die völlige Ablehnung des bestehenden Establishment. Die Sehnsucht nach Liebe, Freiheit und Gemeinsamkeit.

Pulsierende HĂŒgel aus Menschen. Musik die wie ein Feuer der Freiheit, durch die Adern der Menschen rauschte. Ein Festival das eine ganze Generation verband. Einmalig und nie wieder erreicht. Woodstock schuf einen neuen Zeit geist. Nicht nur in Amerika. Überall auf der Welt. Einen Punkt möchte ich noch erwĂ€hnen. Es gab dort ein legendĂ€res FrĂŒhstĂŒck. In bunten Papier tĂŒten gab es Haferflocken, mit Honig und FrĂŒchte. Morgens die Musik und alle mit dieser TĂŒte in der Hand. Verbundenheit pur. Und wenn wir schon bei der Verbundenheit sind. Das Wetter gab es auch noch. Ein heftiges Sommer Gewitter fegte ĂŒber Woodstock und ließ alles im Schlamm verschwinden. Als es begann schnappte sich Barry Nelton von Country Joe and the Fish das Mikrofon und brĂŒllte hinein:”No rain, no rain, no rain” und alle brĂŒllten mit. Geholfen hat es nicht aber es erzeugte NĂ€he, WĂ€rme und Verbundenheit. Eine Verbundenheit die den Menschen heute völlig ab geht. Vielleicht findet bald wieder eine Generation ihr Woodstock. Es wĂ€re uns allen zu wĂŒnschen.

Headerbild: Bild von stuart hampton auf Pixabay

11 thoughts on “Woodstock

  1. Und es wirkt auch heute noch/wieder, dieses GefĂŒhl von Aufbruch, Möglichkeit zur VerĂ€nderung, Frieden, Menschlichkeit. Mich, die ewig Suchende, Zweifelnde, hat es sehr beeindruckt damals. Obwohl ich in der Provinz festsaß zwischen lauter Erwachsenen, die ich meist nicht respektieren konnte. Das GefĂŒhl, nicht mehr allein zu sein, hat auch mich erfasst. Wie jede Bewegung wurde auch diese oft missverstanden, ausgenutzt, doch das war zweitrangig. Dennoch wurde genau das zum Hauptthema gemacht von den Etablierten, was aber lange Jahre kaum Wirkung zeigte.
    Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, um diesen Aufbruch in Erinnerung zu rufen. Deshalb hab ich einige Bekannte eingeladen, von denen einige die heutige Jugendbewegung stĂ€ndig kritisieren und so gar nicht verstehen können und sie praktisch gezwungen – so gar nicht Woodstock, aber auch alte Hippiemamas mĂŒssen konsequent sein – und sie das sehen lassen. Staunen, glĂŒckliche Gesichter, verstehen. Zumindest ein paar haben ihr Denken verĂ€ndert oder wenigstens in Gang gesetzt.

    • Die jetzige Generation wird wohl Schwierigkeiten haben, sich in diese Zeit hinein zu versetzen. Aber vielleicht verstehen sie den Hintergrund. Das Anliegen, das heute genauso angesagt ist wie damals. Die GrĂŒnen sind das beste Beispiel fĂŒr die falsche Interpretation von Woodstock. Sie sind zu einer Kriegs, und Reichen Partei verkommen. Sie verstecken sich hinter ihrem Öko Image, das sie völlig zu Unrecht noch vor sich hertragen. Man kann alles pervertieren.. Auch love and peace.

      • Mir geht es auch um die Älteren, die die Situation ja verursacht haben, z. T. weil sie ihre eigenen TrĂ€ume vergessen/verraten haben. Denn wirklich etwas verĂ€ndern mit Maßnahmen können nur sie. Bis jetzt reden sie nur, politische Aussagen zielen nur auf Stimmenfang.

        • Das ist richtig. Die Leute haben aus dem Festival nur die Drogen nach Hause getragen. Den Geist von Woodstock haben sie bald der Gesellschaft geopfert. Das ist das traurige. Auch in der Zeit von Elvis, als die Jugend sich wieder von der Gesellschaft abspaltete, blieb am Schluss nichts als die Musik. Geht auch gar nicht anders, da die Welt kontrolliert wird. Wir leben in einem von Gestörten ersonnenen Konstrukt. Auch wenn die Leute es nicht glauben wollen, so bestimmen Leute unsere Geschicke, die im Geiste der Freimaurer ihren Wahn ausleben. Das wird dann immer mit Verschwörungstheorie abgetan. BeschĂ€ftigt man sich aber ein wenig mit der Thematik, wird schnell klar wie es wirklich auf der Welt lĂ€uft. Aber das möchten die Menschen gar nicht wissen. Aber nicht wissen wollen heißt nicht, daß du dadurch nicht so leben musst, wie die dass wollen. Du merkst es halt erst dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Ich habe einen neuen Blog veröffentlicht in dem es nur um solche Themen geht. Die Welt abseits des Mainstream.

  2. Guten Morgen Robert.
    Ich war erst am Überlegen ob ich diesen Beitrag lesen soll oder nicht, ist es ja nicht so wirklich meins.
    Aber mit der Hintergrundinformation, die ich so nicht kannte, hat es sich gelohnt. Muss schon Wahnsinn gewesen sein fĂŒr die Leute die dort waren.
    Quasi ein VorlĂ€ufer fĂŒr all die Veranstaltungen die es heute so gibt, oder?

  3. GĂ€nsehaut beim Lesen bekommen, lieber Robert:-) ich wĂ€re auch soooo gerne dabei gewesen…aber ich war erst 5 Jahre alt:-))…leider..was hĂ€tte ich drum gegeben…Jimi Hendrix zu sehen!! und ĂŒberhaupt:-)) ach ja…..Danke fĂŒr diesen schönen Beitrag1 Liebe GrĂŒĂŸe Corinna

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefÀllt das: