Bluemooncaffee

New wisdom
Mach Sternen-Licht

Wie wir die Welt erfahren, liegt ganz tief in uns verborgen. Zumeist wissen wir nicht einmal, warum wir gerade so und nicht anders gehandelt haben. Wir tun es einfach. W√ľrde man uns in solch einer Situation fragen, warum man so und nicht anders gehandelt hat, w√ľrde einem keine Antwort darauf einfallen.

Die Nacht. Sie ist dunkel aber nur so dunkel, wie es dein Aufenthaltsort zul√§sst. In der City, einer Gro√üstadt gibt es so viele Lichter, das du denken k√∂nntest, es ist heller Tag,. Nur das es halt Nacht ist. Faszinierend und eine eigene Form der Existenz. Lichter in Neon strahlen mich an. Erz√§hlen mir vom Nachtleben dieser Stadt. Musik dringt in die sommerliche Nacht. Menschen in Mengen, die ich im Dorf das ganze Jahr nicht zusammen bekommen w√ľrde, sitzen auf B√§nken, auf dem Pflaster oder in einer Gr√ľnanlage. Reden, trinken und lachen. Es ist f√ľhlt sich an wie Gemeinschaft. Gemeinschaft die nicht wirklich zusammen geh√∂rt und doch ist man ein Teil davon. Ich bin ein Teil ihrer Stadt-Nacht-Gemeinschaft.

Manch Drama h√∂rt man schon vom Weiten, durch die stille und doch laute Nacht. Hier hat Leben kein Anfang und kein Ende. Es ist immer da. Selbst shoppen ohne Sonnenlicht geht. P√§rchen spazieren H√§ndchen haltend und verliebt an mir vorbei. Ihre Augen verlieren sich im Nichts der Gro√üstadtlichter. Ich sehe ihnen eine Zeitlang nach. Sie sind jung. Jung in der Nacht einer Gro√üstadt. Irgendwie kommt mir da das Wort Alter in den Sinn. Meine junge Zeit ist vorbei. Opa bin ich. Jetzt nicht von mir aus aber aus Enkel Sicht schon. Ich mag dieses Wort nicht. Opa war fr√ľher Opa, hat sich keiner was dabei gedacht. Aber heute ist Opa alter Mann. Mag sein aber ich f√ľhle mich nicht alt. Sehe an guten Tagen nicht mal so aus. Opa nur ein Wort und doch mit einer gewissen Tragweite. Es sagt mir das meine jungen Jahre vorbei sind. Noch bin ich fit aber was ist morgen? Auch in den Nacht sieht ein Altenheim, wie ein Altenheim aus. Fahle Gesichter an Fenstern. Essen nach Vorschrift, schlafen nach Vorschrift, Spazieren gehen nach Vorschrift. Ich habe aber noch nie etwas mit Vorschriften anfangen k√∂nnen. Selbst als Kind nicht. Bei solchen Gedanken wird es mir schlecht. Freiheit ist mein Leben. Alles andere ist f√ľr mich nur unertr√§glicher Gedanke. Dabei geht es mir nicht um das jung sein, es geht mir um deren Freiheit. Tun und lassen k√∂nnen. Selbstbestimmung und keine Fremdbestimmung. Jeder Tag der gleiche Ablauf, dass w√ľrde mich umbringen. Menschen die mir mein Essen bringen und mich anschauen als w√§re ich ein kleines Kind. Was wenn? Was wenn man nur noch bedingt Lebensf√§hig? Bettpfanne, morgens sich waschen lassen und den Rest des Tages im Bett. F√ľttern und Windel. Da ist der Tod pl√∂tzlich ein freundliches Gesicht f√ľr mich. Leben um jeden Preis war noch nie mein Ding. Allein beim schreiben bekomme ich da schon Schwei√üausbr√ľche. Leben ja mehr als gerne aber eben leben. Manch einer wird mich verstehen, andere nicht. Ich aber verstehe es sehr gut. Viel zu gut.

Dunkelheit im Sternenlicht. Mond scheint tr√ľb ins Licht. Sternenhimmel frei im Blick und doch verhangen. Gro√üstadtlichter nehmen dir den Glanz. Ein Kosmos ganz f√ľr sich alleine. Finsternis gibt es hier kaum. H√∂chstens in den Gedanken Einiger, der vielen Menschen. Gro√üstadtlichter mal kalt wie Neon, mal warm wie k√ľnstliche Sonne. Vermisse ich die Dunkelheit? Die echte Dunkelheit die auf dem Lande lebt? Dunkelheit die keine wirklich ist. Das bist du Gro√üstadtlichterglanz.

Leben hei√üt nicht von ungef√§hr Leben. Sein Name verk√∂rpert einen Sinn. Ein Sinn der mir √ľberdeutlich ins Gesicht springt. Leben unterscheidet sich nun mal vom Tod sein. Daher mag ich nicht am Leben sein und trotzdem schon gestorben, f√ľr¬īs Leben. Ich kann und will da nicht anders denken. So mache ich, mit dieser Art Leben es so, wie man mit allem umgeht, das man nicht m√∂chte. Vergessen.

Es verdr√§ngen und schauen was passiert. Es mag ja m√∂glich sein, das man lebt, was man ist und das bis zum Ende. Aufrecht in den Stiefeln sterben, w√§re genau mein Ding. Wenn das Leben zum Kampf wird ohne Aussicht auf Erfolg, dann beginnt das Sterben. Und jeder sollte in W√ľrde sterben k√∂nnen. Auf seine ganz eigene Art. Ich auf meine und du auf die deine.

Autos fahren durch die Nacht. Ich kann ihr ewiges Lied deutlich vernehmen, auch wenn ich keines von ihnen hier sehen kann. Ein immerw√§hrender akustischer Hintergrund-sound. Alles pulsiert gleich einem Pulsar am Nachthimmel. Meine Gef√ľhle, nein meine Emotionen verweilen genau in diesem Augenblick. Ich f√ľhle mich verbunden mit diesem Lichtermeer. Es ist in diesem Moment ein Teil von mir.

Ich sp√ľre den Puls dieser Stadt. Leicht und stetig pulsiert es durch meinen K√∂rper. Ger√ľche finden ihren Weg zu mir. Pizza, D√∂ner und Pommes bahnen sich einen Weg, einen Zugang in mein Selbst. Ich versp√ľre aber keinen Hunger, keinen Hunger der sich durch fastfood bek√§mpfen lie√üe. Meinen Hunger vermag nur das Leben zu stillen. Menschen, ihre Geschichten, der Augenblick, ein kurzes Augenintermezzo. Zeit ist so ein relatives Ding. Zeit die vergeht und die man manchmal sp√ľren kann. Lebenszeit die wohl wichtigste Zeit f√ľr uns Menschen. Auch ihre Zeiger vermag ich ab und an zu h√∂ren.Tick, Tack, Tick, Tack macht es stetig. Das Ger√§usch bindet sich ein, in den Strom der Ger√§usche dieser Stadt. Es versinkt darin. Wird wieder zu normaler Uhrzeit. Ich begebe mich wieder in den fluss- aus Menschen. Werde wieder Teil der Gro√üstadt und seiner Lichter.

photo unsplash: image 1 Ruslan Bardash. image 2, lf.Franciz !!! Header, Warren Wong

17 thoughts on “Mach Sternen-Licht

  1. Existieren um jeden Preis ohne zu leben, dahinvegetieren, macht auch f√ľr mich keinen Sinn. Wenn es f√ľr mich aussichtlos werden sollte, werde ich die Sache f√ľr beendet erkl√§ren und auf die Eisscholle gehen oder mich auf den Berg legen. Nein ernsthaft – in dieser Sache – nicht nur – sind mein Mann und ich uns einig und auch unsere Kinder sind dar√ľber informiert.

  2. Hallo Robert, wieder ein toller Beitrag!:- und ja, mir geht es manchmal √§hnlich mit den Gedanken…ich m√∂chte auch auf gar keinen Fall als “Pflegefall” oder √§hnlich enden…aber ich bin davon √ľberzeugt, das bei uns allen auch “unser Ende” schon vorbestimmt ist und letztendlich wirkliche Einflussnahme nicht m√∂glich ist. Und ich glaube auch an ein Leben nach dem Tod…von daher…..es kommt, wie es kommt:-) Liebe Gr√ľ√üe Corinna

  3. Ich glaube nicht an Vorherbestimmung, denn mit jeder neuen Entscheidung, die wir treffen, √§ndern sich die Bedingungen f√ľr unsere Zukunft. Mein Mann und ich sind uns einig, es wie romantikercarolinecasparautorenblog zu halten und haben an einen so genannten √Ėdeg√•rd (ein Haus in einer einsamen Gegend) in Schweden gedacht, wo man seine letzten Tage verbringen k√∂nnte. Wenn man irgendwo unter Menschen ist, wird einem nicht erlaubt zu sterben. Jedenfalls nicht in D√§nemark.
    In der westlichen Kultur gehen die meisten Leute davon aus, dass Sterben das schlimmste ist, was einem passieren kann.

    • Hier in Deutschland auch nicht. Man muss jedes Leid, das durch die Medizin noch verl√§ngert wird, ertragen. Ich w√ľsste mal zu gerne mit welchem Recht, die dass machen? Dem Recht, der Pharmaindustrie an Todkranken Geld zu machen? Einzig allein darum geht es. Um Geld zu machen. Das Leiden der Menschen zu verl√§ngern, damit sich die tollen Maschinen, die sie dazu haben auch rentieren. Ich wei√ü auch nicht seit wann der Staat berechtigt ist in meine pers√∂nlichen Entscheidungen einzugreifen? Niemand hat das Recht mir vorzuschreiben das ich sterben muss und niemand hat das Recht mir vorzuschreiben das ich leben muss. Das obliegt allein meiner Entscheidung Das Recht des Staates hat Grenzen.

  4. Mir geht es auch so, dass ich am liebsten selbst bestimmen möchte, wann ich gehen möchte. Stelle es mir schlimm vor, irgendwo nur noch vor mich hin zu siechen und gepflegt zu werden, vielleicht nicht mehr beteiligt zu sein an der Entscheidung, ob und wieviele Schmerzen ich habe und wann ich sterben darf.
    Menschen um jeden Preis am Leben zu halten halte ich f√ľr einen perversen Nebeneffekt unserer “Errungenschaften”, eine Folge des Gr√∂√üenwahns der Wei√ükittel, die die Grenzen f√ľr die W√ľrde des Lebens ob ihres aufgeblasenen Egos nicht wahrnehmen.
    Noch immer schiebe ich es auf, eine Patientenverf√ľgung zu machen, f√ľr den Fall… Irgendwann raffe ich mich hoffentlich auf.

    Da bisher niemand aus meinem engsten Umkreis starb, der mir wirklich am Herzen gelegen w√§re, habe ich in meiner Zeit in M√ľnchen mal ein Jahr ehrenamtlich im Hospiz gearbeitet. So kam ich dem Tod n√§her und seinen vielen Gesichtern und Facetten. Das war gut f√ľr mich. Ich habe den Eindruck bekommen, dass viele Menschen so sterben wie sie gelebt haben. Die einen alles Unangenehme verleugnend, am Ende auch das eigene Sterben. Die anderen sehr bewusst und dankbar f√ľr das was noch ist usw.

    Manchmal kommt es mir so vor, dass das Umgehen mit dem √Ąlterwerden und seinen Begleiterscheinungen ein Prozess ist, f√ľr den man in der Regel zum Gl√ľck viele Jahre hat… Dinge loslassen, die nicht mehr gehen. √Ąu√üerlichkeiten, Eitelkeiten…

    Am wichtigsten ist mir auch immer wieder die Freiheit, mein Leben nach meinen Vorstellungen und W√ľnschen leben zu k√∂nnen. Der sch√∂nste Tod w√§re f√ľr mich, wenn es genug ist einfach einzuschlafen.

    Ich glaube an ein Leben au√üerhalb dieses Menschseins jetzt, von daher mache ich mir keine Sorgen was dann kommt. Nur der √úbergang, von dem erhoffe ich mir, dass er leicht, schmerzlos und in innerem Frieden erfolgt. Wissend, dass ich alles richtig gemacht habe, was ich beeinflussen konnte und es wieder so machen w√ľrde.

    Ach, ein gro√ües Thema…

    • Wahrlich ein gro√ües Thema. Gibt es eigentlich Kurse, wie , Aufrichtig sterben, Sterben f√ľr Anf√§nger oder wer zu Letzt stirbt. Ich finde ein wenig Humor kann dem Tod nicht schaden. Ist er doch ernst genug. Ich finde es auch abwegig vor etwas Angst zu haben das unabwendbar. Man muss sich mit der Thematik Tod auseinander setzen. Einmal und das richtig. Dann wieder leben, so lange und so gut es geht.

  5. Wer will schon die letzte Zeit wie ein “Gep√§ckst√ľck” (sagen die Schweden) leben.
    Ich habe 15 Jahre mit Sterbenden gearbeitet und meinen Mann bis zum letzten Atemzug begleitet, der sehr gerne selbst entschieden hätte zeitiger zu sterben. Alla Menschen haben ein Recht auf ihren Körper!! aber nicht wenn es ums Sterben geht.
    Ich bin sehr daf√ľr, dass Menschen diese Entscheidung selber treffen wenn sie doch nur noch auf den Tod warten.
    Ich unterst√ľtze einen Verein hier in Schweden, der das durchsetzen will.
    Ansonsten…… bin ich wieder ganz deiner Meinung ūüôā

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